Elektroinstallation

Elektroinstallation

Elektroinstallation im Reisemobil

Bei der Elektroinstallation im Reisemobil müssen unterschiedliche Sicherheitsaspekte und geltende Vorschriften berücksichtigt werden, dazu gehören neben der fachgerechten Verlegung im stromlosen Zustand, die vorgeschriebenen Fahrzeugleitungen, die optimalen Kabelquerschnitte und die passenden Sicherungen.

Optimale Energieversorgung

Strombedarf / Stromversorgung / Meine Elektrik mit Schaltplan

Arbeiten an der Elektrik

Das wichtigste bei Änderungen an der Elektrik ist das Arbeiten im stromlosen Zustand, daher unbedingt die Batterie(n) abklemmen und jeweils die beiden Pole (+/-) sicher abdecken oder abkleben. Sind zusätzliche Stromeinspeiser (Landstrom, Solar, …) vorhanden, dann darf man die nicht vergessen, denn der Strom kann auch von externen Stromquellen eingespeist werden!

Beim abklemmen zuerst Minus (-), dann Plus (+) trennen und beim anklemmen zuerst Plus (+), dann Minus (-) verbinden! Plus ist das Stromführende Kabel zur Batterie (meist rot oder braun), während Minus, das Massekabel (meist schwarz oder blau) mit der Karosserie verbunden ist.

Hinweis zur Elektroinstallation

Die Elektroinstallation gehört für mich zu den anspruchsvollsten und kompliziertesten Aufgaben, daher möchte ich auf dieser Seite ein paar Grundlegende Informationen zusammenfassen, welche ich für meinen Camper Ausbau recherchiert habe. Ich bin kein KFZ-Elektriker, daher übernehme ich keine Garantie oder Verantwortung für die nachfolgenden Informationen! Auch wenn alle Angaben nach besten Wissen gemacht wurden, so soll diese Seite nur dem besseren Verständnis dienen, denn Vorschriften und Normen können sich jederzeit ändern. Die Elektrik muss den geltenden Vorschriften (DIN VDE 0100-721) entsprechen und von einem Fachmann installiert oder abgenommen werden!

Fahrzeugleitungen

Für die Elektroinstallation im Fahrzeug dürfen nur flexible Litzenkabel verwendet werden, da es bei massiven (starren) Aderleitungen (Kupferadern) zum Kabelbruch kommen kann. Für das 12V Stromnetz gibt es spezielle Fahrzeugleitungen mit verschiedenen Kabelquerschnitten, für das 230V Stromnetz gibt es 3×2,5mm² Gummileitungen, welche übrigens auch für die externe Stromeinspeisung am Campingplatz vorgeschrieben sind. Hier gilt es zu beachten, dass das Kabel einen CEE-Stecker haben muss, nicht länger als 25 Meter sein darf und im Fahrzeug zusätzlich mit einem FI-Schutzschalter (30mA) und einer Sicherung abgesichert sein muss.

Kabelverlegung

Die häufigste Ursache für einen Kurzschluss oder Kabelbrand im Reisemobil ist eine fehlerhafte Elektroinstallation, daher sollten sämtliche Arbeiten an der Elektrik so sorgfältig und gewissenhaft wie möglich gemacht werden. Die im Fahrzeug verlegten Kabel können durch Erschütterungen und Vibrationen beschädigt werden, speziell an scharfen Kanten oder an engen Stellen besteht die Gefahr, dass ein Kabel durchtrennt oder die Isolierung beschädigt wird. Schutzschläuche minimieren das Risiko, daher werden Kabel idealerweise im Wellrohr oder Kabelkanal verlegt.

Kabelverbindungen

Bei der Elektroinstallation sollten die Kabel vom Sicherungsverteiler zum Verbraucher so kurz wie möglich sein und am besten ohne Klemmstellen verlegt werden, ist dennoch eine Klemmstelle nötig, dann sollte dafür eine Abzweigdose (Verteilerdose) verwendet werden. Litzenkabel lassen sich schnell und einfach mit WAGO Klemmen (221) verbinden, für alle andere Kabelverbindungen gibt es unisolierte und isolierte Kabelschuhe, Flachstecker oder Aderendhülsen, welche mit einer speziellen Crimpzange auf das Kabel gecrimpt (gequetscht) werden. Bei der Nutzung von unisolierten Verbindungen ist die Crimpstelle (Quetschstelle) nach dem Crimpen mittels Schrumpfschlauch zu isolieren.

Hinweis zur Elektroinstallation: Lüsterklemmen und Lötstellen haben im Fahrzeug nichts verloren!

Spannungsfall

Der Spannungsfall ist die Differenz zwischen Stromquelle und Verbraucher, damit ein Verbraucher am Ende mit ausreichend Strom versorgt wird sollte der Spannungsfall höchstens 4% betragen. Gehen wir davon aus, dass die Spannung einer intakten 12V Batterie bei 12,5V liegt, ziehen wir davon einen Spannungsfall von 4% ab, dann kommen beim Verbraucher letztlich nur noch 12V an. Zur Berechnung dürfte daher ein Wert von 3-4% durchaus vernünftig und ausreichend sein, lediglich bei Solaranlagen könnte ein geringerer Spannungsfall von 1-2% sinnvoll sein.

Widerstand

Bei der Elektroinstallation ist ein ausreichender Kabelquerschnitt sehr wichtig, da jedes Kabel und jede Verbindung (Klemmstelle) einen gewissen Widerstand aufweist. Je größer der Widerstand wird, desto mehr Wärme kann entstehen, wodurch im schlimmsten Fall sogar die Kabelisolierung schmelzen kann, daher können Kabel niemals zu dick, aber sehr wohl zu dünn sein! Der Kabelquerschnitt von Plus (+) und Minus (-) muss natürlich immer identisch sein, zudem darf der Kabelquerschnitt niemals mit dem Kabeldurchmesser verwechselt werden!

Kabelquerschnitt

Der richtige Kabelquerschnitt kann sehr genau berechnet werden, in der Praxis sind diese komplizierten Formeln und Kommazahlen aber nicht so relevant, da die verwendeten Faktoren (Stromstärke, Spannung, Leistung, Leitfähigkeit, Widerstand etc.) nicht immer gleich (konstant) sind und am Ende ohnehin der nächstgrößere Kabelquerschnitt verwendet wird.

Ich habe den Kabelquerschnitt (mm²) für meinen Campingbus wie folgt berechnet:

Formel für den KabelquerschnittBeispiel: Pumpe WaschbeckenErgebnis
Meter x 2 x Ampere x Widerstand5 (Meter) x 2 (*) x 2 (Ampere) x 0,0175 (Widerstand)0,35
geteilt durchgeteilt durchgeteilt durch
Spannungsfall x Spannung in Volt0,04 (Spannungsfall 4%) x 12 (Spannung in Volt)0,48
= Kabelquerschnitt= 0,73mm²
(*) Doppelte Kabellänge

Die Stromstärke (Ampere) wurde mit der Tabelle für den “Strombedarf” ermittelt, die Werte für den Kabelquerschnitt beziehen sich auf mein Reisemobil (siehe: Elektrik und Schaltplan).

StromkreiseMeterAmpere (A)mm²SicherungMarkierung
Pumpe Waschbecken5,002,000,73 (0,75mm²)*Gelb
Pumpe Dusche3,502,000,51 (0,75mm²)3AGelb
LED-Lampe + LED-Streifen4,500,830,27 (0,50mm²)2AWeiß
12V Panel Heck2,5012,502,28 (2,50mm²)15ABlau
LED-Lampe2,500,150,03 (0,35mm²)2AGrün
Kühlschrank1,503,000,33 (0,35mm²)5ARot
Standheizung1,503,080,34 (0,35mm²)20A
12V Panel Front1,5012,51,37 (1,50mm²)15ASchwarz
3Gas+ Alarm1,500,130,01 (0,35mm²)2ABraun

* Die Pumpen (Waschbecken/Dusche) nutzen den gleichen Stromkreis.

Kabelquerschnitt (mm²): Betrachtet man jetzt die einzelnen Stromkreise, dann hätte ich für meine Elektroinstallation theoretisch 4 verschiedene Kabelquerschnitte (0,35-2,5mm²) verwenden müssen. Ich habe das etwas vereinfacht und nur 2,5mm² Kabel verlegt, somit kann ich in Zukunft jederzeit zusätzliche oder stärkere Verbraucher anschließen ohne neue Kabel verlegen zu müssen, ausgenommen natürlich beim Stromkreis für das 12V Panel im Heck. Das Kabel vom Sicherungskasten zur Batterie hat übrigens einen Querschnitt von 16mm² und ist mit 50A abgesichert.

Am Markt erhältliche Kabelquerschnitte (mm²): 0,35 / 0,50 / 0,75 / 1,00 / 1,50 / 2,50 / 4,00 / 6,00 / 10,00 / 16,00 / 25,00 / 35,00 / 50,00
Am Markt übliche KFZ-Flachstecksicherungen (A): 2 / 3 / 5 / 7,5 / 10 / 15 / 20 / 25 / 30 / 35 / 40

Verbraucher absichern

Verbraucher mit einer geringen Wattzahl können theoretisch zusammengefasst werden, es ist aber dennoch ratsam für jeden Verbraucher einen eigenen Stromkreis zu verlegen und jeden Verbraucher einzeln abzusichern, dazu wird üblicherweise ein Sicherungsverteiler mit Flachsicherungen verwendet. Damit die Kabel am Sicherungsverteiler nicht vertauscht oder verwechselt werden sollte jeder Stromkreis gekennzeichnet werden, ich habe dafür einfach Isolierbänder mit verschiedenen Farben verwendet.

Alternative Stromversorgung

Keine Lust auf eine aufwendige Elektroinstallation im Fahrzeug, dann empfehle ich dir eine mobile Powerstation mit einer ausreichenden Kapazität. Die mobilen Powerstationen lassen sich üblicherweise mit 12V, 230V oder mittels Solar aufladen, der Vorteil ist hier, dass man den Strom bei Bedarf einfach mitnehmen und überall nutzen kann.

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